21. November 2021 17:00 Uhr

Musikinstrumentenmuseum Berlin

Von Süd nach Nord

Eine Musikalische Reise von Venedig über Dresden und Berlin nach Hamburg

TonSpurenEnsemble
Xenia Löffler – Barockoboe, Blockflöte
Darja Großheide – Traversflöte, Blockflöte
Rainer Johannsen – Barockfagott, Blockflöte
Michael Hell – Cembalo, Blockflöte

Fotos von W.Merkle, D.M.Deuter, M.Kanizaj, M.Cogel

Wir begeben uns auf eine Musikalische Reise, die in Venedig und mit Musik von Antonio Vivaldi beginnt. Italien war über einen langen Zeitraum das Land, in das Musiker und Musikliebhaber reisten um Opern und Konzerte zu erleben oder um sich in Komposition ausbilden zu lassen. Auch Deutsche Fürsten reisten nach Italien um dort Musiker für ihre eigenen Höfe zu entdecken. So wurde der deutsche Komponist Johann Adolf Hasse, der mit berühmten venezianischen Sopranistin Faustina Bordoni verheiratet war und von Italienern „Il divinosassone“ (der göttliche Sachse) genannt wurde, aus Venedig an den Dresdner Hof August des Starken engagiert, wo er die Hofmusik als Komponist und Kapellmeister nachhaltig prägte. Mit ihm am Hof arbeiteten berühmte Musiker und Komponisten wie Heinichen, Zelenka, Fasch, Pisendel und Quantz, von deren Musik wir eine fiktive Sonate aus Einzelsätzen zusammengestellt haben, die als Appetithappen auf mehr verstanden werden kann. Einige der Musiker des Dresdner Hofes wie Quantz, aber auch die Brüder Graun und Benda, wechselten in den 1740ger Jahren an den Hof Friedrichs des Großen und standen dort für die in hohem Maße durch die Aufklärung geprägte „Berliner Schule“. Carl Philipp Emanuel Bach, der zweitälteste Sohn Johann Sebastian Bachs, gehörte ebenfalls zu diesem Kreis von Musikern und war dort als erster Hofcembalist angestellt. Ihm und seiner „empfindsamen“, galanten Musik ist unser dritter Musikblock gewidmet. Carl Philipp Emanuel Bach wechselte später nach Hamburg, wo er die Stelle seines berühmten Patenonkels Georg Philipp Telemann nach dessen Tode 1767 übernahm. Telemann gelang es, unterschiedliche, europäische Stileinflüsse in schönster Weise miteinander zu verbinden. Seine Musik spielen wir im vierten und letzten Musikblock, in dem wir Musiker zu den Instrumenten unserer Kindheit, den Blockflöten, zurückkehren.

Venedig
Antonio Vivaldi ( 1678 – 1741 ) Kammerkonzert in g-moll, RV 103 für Blockflöte, Oboe, Fagott und Basso continuo Allegro ma cantabile – Largo – Allegro non molto
Dresden
Johann Adolph Hasse ( 1699 – 1783 ) Andante grazioso aus der Triosonate in C-Dur für 2 Flöten und B.c., Op.3 Nr.5
Johann David Heinichen (1683 – 1729 ) Allegro aus dem Duo für Oboe und Fagott in c-moll
Johann Friedrich Fasch ( 1688 – 1758 ) Lento aus der Sonate für Fagott und B.c. in C-Dur
Johann Joachim Quantz ( 1697 – 1773 ) Vivace aus der Triosonate für Flöte, Blockflöte und B.c. in C-Dur
Berlin
Carl Philipp Emanuel Bach ( 1714 – 1788 ) Allegro aus der Sonate für Flöte und obligates Cembalo in G-Dur, Wq.86/H.509
Adagio in g-moll für Cembalo solo, Wq 48:2 ( aus „6 Preussische Sonaten“, 1740 )
Allegro aus der Sonate für Oboe und B.c. in g-moll, Wq.135
Hamburg
Georg Philipp Telemann ( 1681 – 1767 ) Andante in d-moll für Flöte und B.c., TWV 41:d2 (aus „Methodische Sonate“, 1732 )
Gratioso – Allegro aus der Sonate Nr.5 in d-moll für 2 Altblockflöten TWV 41:d4
Concerto in F für 4 Altblockflöten nach dem „Concerto à 4 Violini Senza Basso“ D-Dur, TWV40:202 Adagio-Allegro – Grave – Allegro

TonSpurenEnsemble
Xenia Löffler – Oboe, Blockflöte
studierte an der Schola Cantorum Basiliensis und dem Königlichen Konservatorium in Den Haag. Die Kritik lobt Xenia Löfflers „vollkommen selbstverständliche Virtuosität“ und ihren „eleganten, an Farben und Nuancen reichen Ton.“ (Klassik.com)Seit 2001 spielt sie die 1. Oboe bei der Akademie für Alte Musik Berlin und tritt mit diesem Orchester weltweit als Solistin auf. Auch andere Ensembles wie die Batzdorfer Hofkapelle, Collegium 1704 (Prag), das Händel-Festspielorchester(Halle) und namhafte Dirigenten engagieren sie für solistische Aufgaben gerne und häufig.Die Erforschung von unbekanntem Oboenrepertoire und ihre Veröffentlichung auf CD ist ihr ein besonderes Anliegen. Inzwischen liegen zahlreiche Solo-CDs bei Labels wie Harmonia Mundi France (Venezianische Oboen-Concerti), Supraphon (Reichenauer und Jiranek) und Accent (Dresden Oboe Concerti, Graun Oboe Concertos, Händel My favourite instrument, Heinichen Concerto) vor. Mit dem von ihr gegründeten Amphion Bläseroktett tritt sie seit 1998 bei internationalen Festivals auf und hat in dieser Besetzung neun vielbeachtete CDs eingespielt. Xenia Löffler leitet die Klasse für historische Oboen an der Universität der Künste in Berlin und gibt Meisterkurse im In- und Ausland.

Darja Großheide – Traversflöte, Blockflöte
studierte zunächst Blockflöte und Querflöte in Padua (Italien). Es folgten Studienabschlüsse an den Musikhochschulen von Maastricht (NL bei Jerome Minis) und Köln (Manfredo Zimmermann). Bei Karl Kaiser machte sie ein zweijähriges Aufbaustudium für Traversflöte an der MHS Frankfurt, bei Martin Sandhoff spezialisierte sie sich zusätzlich auf das Spiel romantischer Klappenflöten. Sie konzertiert mit verschiedenen Barockorchestern sowie in unterschiedlichen kammermusikalischen Formationen. Mehrere CD-Produktionen mit Ersteinspielungen ihres Ensembles „musica solare“ sind aus dieser Arbeit hervorgegangen (u.a.Kantaten von Ariosti, Sonaten von Nardini). 2010 gründet Darja Großheide die Kammerkonzertreihe „Tonspuren“, die seit 2015 in der Kulturfabrik Becker&Funck in Düren vom Kunstförderverein Kreis Düren veranstaltet wird und die sie als Musikalische Leiterin betreut. In den letzten Jahren hat sie an wichtigen Musiktheaterproduk-tionen mit dem Regisseur A.Schvarzstein teilnehmen dürfen (Fugit. La Locura), die ihre Arbeit nachhaltig prägen und sie zu neuen, offenen Konzertformaten inspirieren.

Michael Hell – Cembalo, Blockflöte
Von der Presse als Zauberer auf dem Cembalo und Virtuose auf der Blockflöte bezeichnet, übt er seit Abschluss seiner Studien eine rege Konzerttätigkeit als Solist, Kammer- und Orchestermusiker aus. Seit 2005 führten ihn Konzertreisen nach Belgien, Deutschland, China, Frankreich, Großbritannien, Japan, Israel, Kolumbien, Lettland, Luxemburg, Österreich, Polen, Slowenien, Spanien, in die Schweiz und die USA. Sein besonderes Interesse gilt der Kammer- und Vokalmusik. Neben der Arbeit mit seinen Ensembles Austrian Baroque Connection und Musicke’s Pleasure Garden widmet er sich vermehrt auch der barocken Oper, die er als Continuist, musikalischer Leiter oder Blockflötist aus verschiedenen Perspektiven kennt. Sein Repertoire enthält u. a. Campras L’Europe Galante, Händels Alcina und Giulio Cesare, Lullys Cadmus et Hermione, Monteverdis L’Incoronazione di Poppea und Purcells Dido and Aeneas. 2010 hat er zusammen mit der Barockgeigerin Lucia Froihofer das Barockorchester Neue Hofkapelle Graz gegründet. Als Blockflötist und Cembalist wirkte er mit bei verschiedenen Radio-, Fernseh- und CD-Aufnahmen für NDR, SWR, WDR, France Musique und Radio Classique. 2011 erschienen die CD „Un Camino de Santiago“ des Ensembles La Fenice, auf der Michael Hell auf dem Cembalo, der Orgel, der Blockflöte und als Sänger zu hören ist, und die Debüt-CD der Neuen Hofkapelle Graz mit Werken von Johann Joseph Fux. Es folgten eine CD mit Kantaten von Barbara Strozzi sowie die Gesamtaufnahme sämtlicher Blockflötensonaten des französisch-englischen Blockflötenvirtuosen Jacques Paisible.

Rainer Johannsen – Barockfagott, Blockflöte
studierte zunächst Blockflöte bei Jèrome Minis in Maastricht und Walter van Hauwe in Amsterdam. Anschließend studierte er historische Fagotte bei Michael McCraw in Köln und bei Lorenzo Alpert in Genf. 1994 – 1995 war er Stipendiat der Landesstiftung Villa Musica in Mainz. Er arbeitet als freischaffender Musiker und war von 1996 bis zu deren Auflösung 2006 Solofagottist bei Musica Antiqua Köln (Ltg. Reinhard Goebel). Er spielt in zahlreichen renommierten Ensembles und Orchestern, u.a. La Petite Bande (Ltg. Sigiswald Kuijken) Al Ayre Espanol, Amsterdam Baroque Orchestra (Ltg. Ton Koopman) The Bach Ensemble (Joshua Rifkin), Wiener Akademie. Konzertreisen führten ihn in alle europäische Länder, nach Nord- und Mittelamerika, und mehrfach nach Asien. Er wirkte bei zahlreichen Rundfunk-, CD- und Fernsehproduktionen mit. Rainer Johannsen gibt Meisterkurse an der freien Universität (UNAM) von Mexico-City, bei der Austria Barock Akademie und bei den Festwochen Alter Musik in Innsbruck.