8. Dezember 2019 17:00 Uhr

Zanders Geigenbauwerkstatt, Nettetal

Jean Gaspard Weiss ( 1739 - 1815 ) - Aus dem Leben eines Flötisten

Darja Großheide – Traversflöte
Evgeny Sviridov – Violine
Davit Melkonyan – Violoncello

Thema soll die Lebensgeschichte des Flötisten Jean Gaspard Weiss sein.
Weiss wird in Mulhouse im Elsass geboren, erhält dann Flötenunterricht in Mannheim bei Johann Baptist Wendling, lernt in Genf den gleichaltrigen 4. Earl of Abingdon kennen, der selber begeisterter Flötenspieler ist und bei Weiss Unterricht nimmt. Abingdon läd Weiss zu einer gemeinsamen Reise nach Italien ein. In Turin treffen sie u.a. die Brüder Besozzi. In Florenz spielt Weiss mit Campioni und Dothel, wird sicher auch Nardini und Lidarti dort begegnet sein. Er befreundet sich in Rom mit Gretry, den er anschließend auch mit Abingdon bekannt macht (Gretry schreibt Flötenkonzerte für Abingdon). Auch als Gretry in Paris Karriere als Opernkomponist macht, hält die Freundschaft mit Weiss, der sich immer wieder auch in Paris aufhält, schließlich aber der Einladung Abingdons nach London folgt. Er ist dort als Flötenvirtuose und -lehrer sehr erfolgreich, bindet sich aber nicht fest an ein Orchester, sondern zieht es vor, frei zu bleiben. Gut befreundet ist er dort mit dem Geiger Cramer und dem Oboisten Fischer, sehr gut bekannt auch mit Johann Christian Bach und Abel, deren Konzertreihe Abingdon stark fördert. Johann Hartmann Graf kennt er natürlich auch. Er heiratet und zieht mit seiner Familie schließlich zurück nach Mulhouse, wo er sich nach und nach aus dem Musikleben zurückzieht und in die Textilindustrie investiert.

Programm
Jean Gaspard Weiss ( 1739 – 1815 ) Trio Nr.6 in F-Dur Allegro moderato – Tempo di Minuetto
Johann Baptist Wendling ( 1723 – 1797 ) Terzetto Op.3 Nr.4 in A-Dur für Flöte, Violine und Cello Andante – Allegro
James Cervetto ( 1748 – 1837 ) Duo Op.6 Nr.3 in D-Dur für Violine und Violoncello
Pietro Nardini ( 1722 – 1793 ) Trio Nr.2 in G für Flöte, Violine und Bass Allegro moderato – Adagio – Allegro
Pause
Carl Friedrich Abel ( 1723 – 1787 ) Trio Nr.3 in C-Dur Allegro – Andante – Allegretto
Johann Christian Fischer ( 1733 – 1800 ) Duo für Flöte und Violine
Giovanni Battista Cirri ( 1724 – 1808 ) Duo Op.1 Nr.2 in F-Dur für Violine und Violoncello
Jean Gaspard Weiss Prelude für Flöte Solo
Trio Op.2 Nr.6 in D-Dur für Flöte, Violine und Cello Allegro – Andantino – Allegretto

Evgeny Sviridov wurde 1989 in St. Petersburg geboren und studierte Geige am dortigen Konservatorium. Schon als Student wurde er Preisträger renommierter Wettbewerbe, darunter „Yehudi Menuhin“ in Cardiff, „Premio Paganini“ in Genua und „Jascha Heifetz“ in Vilnius. 2010 gewann er den 1. Preis beim Bachwettbewerb in Leipzig, 2016 und 2017 zudem die 1. Preise und Publikumspreise bei den Wettbewerben in Rouen (Concours Corneille) und Brügge (Musica antiqua). Von 2015 bis 2017 studierte er Barockgeige in Köln. Seit 2015 ist er Konzertmeister des Concerto Köln, darüber hinaus aber auch bei weiteren Ensembles zu Gast, u. a. dem Ensemble 1700, dem Ensemble “Il Pomo d’Oro”, dem Ensemble “B’rock” und seinem ständigen Ensemble Ludus Instrumentalis. Als Solist und Ensemblemusiker ist Evgeny Sviridov in den großen Sälen und bei wichtigen Festivals zu hören, darunter das Bachfest Leipzig, die Thüringer Bachwochen, die Festivals in Potsdam, Cremona, Brüssel und Brügge sowie das Concertgebouw Amsterdam, die Kölner Philharmonie und das Konzerthaus Berlin. Seit 2015 spielt er eine Barockgeige von Januarius Gagliano (Neapel 1732), die von der Stiftung „Jumpstart“ ausgeliehen ist. Verschiedene CD-Projekte dokumentieren seine musikalische Tätigkeit. Bei „Genuin“ veröffentlichte er Werke von Bach und Biber, bei „ERP“ diverse Sonaten Vivaldis, die Erscheinung der neuen CD mit Tartinis Werken beim Label “Ricercar” ist für den September 2018 geplant.

Davit Melkonyan (*1986 in Eriwan/Armenien) begann seine Ausbildung an der Hochschule für Künste in Bremen bei Viola de Hoog und setzte sie an der Hochschule für Musik und Theater in Rostock bei Gert von Bülow fort. Sein Studium schloss er im Jahre 2011 an der Universität der Künste in Berlin bei Jens-Peter Maintz mit Auszeichnung ab. Wichtige Anregungen und Impulse erhielt er von Walter Levin, Anner Bylsma, Christophe Coin Reinhard Goebel und Helmut Lachenmann. Als Preisträger des XVI. Internationalen Johann-Sebastian-Bach-Wettbewerbs in Leipzig gastierte Davit Melkonyan bei bedeutenden Musikfestivals, wie dem Musikfest Bremen, den Tagen Alter Musik Herne, den Bach-Mendelssohn Festtagen in Leipzig und im Bachhaus in Eisenach, den Thüringer Bachwochen in Weimar und den Frankfurter Kammermusiken in Frankfurt (Oder). 2011 erspielte er sich den 2. Preis beim XXXIV Internationalen Wettbewerb für die Musik des 20. und 21. Jahrhunderts „Premio Bucchi“ in Rom, Italien. 2012 erhielt Davit Melkonyan gemeinsam mit dem Cembalisten und Hammerklavier-Spezialisten Mikayel Balyan den Förderpreis „Artist in Residence Deutschlandfunk 2012“ des Musikfests Bremen und des Deutschlandfunks. 2013 spielte das Duo Melkonyan-Balyan die Sonaten von Bernhard Romberg auf Originalinstrumenten ein, im folgenden Jahr erschien ihre Aufnahme der Sonaten von Johannes Brahms bei Sony Classical, Deutsche Harmonia Mundi, ebenfalls auf Originalinstrumenten. Im Dezember 2015 veröffentlichte cpo Melkonyans Einspielung der Cellokonzerte Nr. 1 und Nr. 5 von Bernhard Romberg mit der Kölner Akademie unter der Leitung von Michael Alexander Willens. Im September 2017 nahm er gemeinsam mit Christophe Coin im WDR die drei Duos op. 33 von Bernhard Romberg auf. Im gleichen Jahr trat das Duo Coin-Melkonyan wiederholt mit Duo-Programmen in Deutschland und Frankreich auf. Im November 2016 gewann Melkonyan mit seinem Barockensemble „Ludus Instrumentalis“ den 1. Preis beim Gebrüder-Graun-Wettbewerb. Es folgten Auftritte beim Bachfest Leipzig, dem Festival de Musique du Haut Jura, der Chapelle Corneille in Rouen und den Potsdamer Festspielen. 2018 wurde das Ensemble zur „Rheinsberger Hofkapelle – Ensemble in Residence “ im Schloss Rheinsberg ernannt. Er arbeitet kammermusikalisch zusammen mit Mikayel Balyan, Christophe Coin, Andrés Gabetta, Tobias Koch, Chouchane Siranossian, Evgeny Sviridov und Anton Steck. Neben der konzertierenden Tätigkeit beschäftigt sich Davit Melkonyan mit der Interpretationsforschung und dem Studium der Streicher-Spieltechniken des 18. und 19. Jahrhunderts sowie der Wiederaufführung in Vergessenheit geratener Werke dieser Epochen. Er wurde von der Berner Fachhochschule, dem Musikinstrumentenmuseum Berlin sowie dem Zentrum für Alte Musik Köln eingeladen, die Ergebnisse seiner Forschungsarbeit in Vorträgen und Gesprächskonzerten vorzustellen.