18. November 2019

Kulturfabrik Becker & Funck, Düren

Gullivers Reisen - Musikalische Spielereien mit Harmonie Universelle und Thomas Höft

Violinduos von Telemann u.a., gespielt von Florian Deuter & Mónica Waisman
Texte von Jonathan Swift u.a., gelesen von Thomas Höft

Fotos: Stefan Flach, Marieke Wijnters

„Musikalische Spielereien“ hat das Violinduo Mónica Waisman und Florian Deuter als Untertitel für das Programm bei den „Tonspuren“ in Düren gewählt, und das ist ganz wortwörtlich zu verstehen: Im Programm versammelt sich eine Art „Best of“ der Barockmusik, von Telemann über Leclair bis hin zu Vivaldi, das purer Spielfreude und reiner Virtuosität Rechnung trägt. Barocke Violinduette sind Dialoge und Duelle für meisterliche Spieler, die im Ausdruck miteinander wetteifern, und manchmal sogar hochliterarische Geschichten erzählen. Genau das tut Georg Philipp Telemann mit seiner Suite nach Jonathan Swifts „Gullivers Reisen“, in der Riesen, Zwerge und himmlische Pferde sowie abenteuerliche Landschaften von nur zwei Geigen zu prallvollem Leben erweckt werden. Thomas Höft liest dazu nicht nur aus der titelgebenden Satire über Gulliver, der sich immer wieder in fremden Welten verliert, sondern hat dazu noch einen kleinen Kanon an spielerischer Weltliteratur zusammengestellt.

Programm
Jacques Aubert (1689 – 1753) aus „Les Jolis Airs“, Op. 28 1. Ce n’est point par efforts qu’on aime – 6. Les délices – 12. L’an la dérirete – Chaconne
Text:aus Jonathan Swift GULLIVERS REISEN
Georg Philipp Telemann (1685 – 1767) Gulliver Suite, Hamburg 1728 Intrada – Lilliputsche Chaconne – Brobdingnagische Gigue – Reverie der Laputier, nebst ihren Aufweckern – Loure der gesitten Houyhnhnms & Furie der unartigen Yahoos
Text: aus Giacomo Casanova GESCHICHTE MEINES LEBENS
Antonio Vivaldi (1678 – 1741) Sonata prima per due violini e basso opzionale in F, RV70 Allegro – Larghetto – Allegro molto
Pause
Text: aus Miguel Cervantes DON QUIJOTE
Jean Pierre Guignon (1702 – 1774) “Folies d’Espagne”
Text: aus Jean de la Fontaine FABELN
Jean Marie Leclair (1697-1764) Sonate V in g-moll, Op 12, Paris 1747 Allegro ma poco – Andante – Allegro assai

Mónica Waisman
studierte Violine am renommierten Oberlin College und setze ihr Studium in Den Haag auf der Barockvioline fort. Es folgte eine Karriere bei einigen der bekanntesten europäischen Ensembles und Orchestern der Alten Musik, die sie auf Tourneen durch die ganze Welt führten. Derzeit spielt sie regelmäßig Konzerte in Europa, Nord- und Südamerika, unter anderem mit dem Ensemble Musica Temprana, mit dem sie Schätze der Musikliteratur des 18. Jahrhunderts aus Lateinamerika wiederentdeckt. Weiterhin ist sie immer wieder als Kammermusikerin, Konzertmeisterin und Solistin verschiedener Ensembles in Europa sowie Südamerika gefragt.

Florian Deuter
ist einer der maßgebenden Barockgeiger seiner Generation. Er begann seine Karriere 1987 mit Reinhard Goebels Musica Antiqua Köln, wo er von 1994 bis 2000 Konzertmeister war. Schnell wurde er auch an die Spitze anderer renommierter Ensembles im Bereich der Alten Musik eingeladen. So wirkte er als Konzertmeister u.a. beim Gabrieli Consort unter der Leitung von Paul McCreesh, bei Chapelle Royale und Collegium Vocale Gent unter Philippe Herreweghe und bei Marc Minkowskis Musiciens du Louvre. Hinzu kommen solistische Aufgaben und Konzertmeister-Positionen unter anderem im Amsterdam Baroque Orchestra unter Ton Koopman, dem European Baroque Orchestra und Concerto Köln.

Thomas Höft
arbeitet als Autor, Regisseur und Dramaturg in sehr unterschiedlichen Bereichen der Kunst. Er verantwortet große historische Themenausstellungen in deutschen und österreichischen Museen und schreibt Sachbücher – für „Welt aus Eisen“ wurde er mit dem Österreichischen Staatspreis Buchkunst ausgezeichnet. Vor allem aber ist er mit zahlreichen Theaterstücken und Opernlibretti bekannt geworden, u.a. für die Deutsche Oper Berlin, die Komische Oper Berlin und die Bregenzer Festspiele. Bisheriger Höhepunkt war 2010 an der Wiener Staatsoper die Uraufführung von Thomas Höfts Oper „Pünktchen und Anton“ nach Erich Kästner zur Musik von Iván Eröd. Durch Götz Friedrich zu ersten Regiearbeiten ermutigt, nimmt die Musiktheaterregie einen kontinuierlich immer gewichtigeren Raum in Thomas Höfts Schaffen ein. Seit 1994 arbeitet Thomas Höft als Dramaturg des Festivals styriarte Graz, das für Nikolaus Harnoncourt gegründet wurde. Seit 2003 ist er auch Dramaturg des Osterfestivals Psalm Graz. Zudem war er Intendant des Brandenburger Theaters, der Bewerbung Augsburgs zur Kulturhauptstadt Europas und des Festjahres Pax2005 zum Jubiläum des Augsburger Religionsfriedens. Von 2012 bis 2018 war er Direktor des Kölner Zentrums für Alte Musik (ZAMUS) und Künstlerischer Leiter des Kölner Festes für Alte Musik. 2018 und 2019 verantwortet er die Dramaturgie der Musikfestspiele Potsdam Sanssouci. Als Gründer und Vorstand der Kölner Offenbach-Gesellschaft ist Thomas Höft maßgeblich an der Vorbereitung des großen Offenbach-Jubiläums 2019 beteiligt.